Erste Begegnung


Embrace Yourself
Dance Yourself
Be Yourself

Meine erste Begegnung mit Butoh fand im September 2006 in Süditalien statt. Ich hatte mich für ein Workshop entschieden, das 10 Tage Butoh -Tanz inmitten von Olivenhainen anbot. Von JINEN Butoh war die Rede und die Worte, die das Workshop beschrieben, zogen mich magisch an. Ich freute mich ungemein auf die Bewegung im Freien, in der Natur.

Von Butoh hatte ich noch nie gehört, ich hatte also keine Ahnung was auf mich zukam. Es wurde mir nur signalisiert, dass Butoh brutal mit dem Körper umgeht. Der Workshop war tatsächlich sehr fordernd und doch ganz wunderbar. Ich habe viel geweint und durchlitten, Erinnerungen und Verletzungen aus dem Tiefspeicher meines Bodys geliftet und aufgeweicht. Es war eine Katharsis.
Ich hatte meinen Tanz gefunden!
Und ich bemerkte, dass meine Bilder Butoh-Bilder sind.

Butoh ist deshalb für mich so interessant, faszinierend und effektiv, weil es keine Vorgaben, keinen einengenden Bewegungs-Kanon und keine festgelegte Schule gibt.
Charakteristika ja, einheitliche Vorgaben und Regeln nein. Basierend auf innerer Wahrnehmung, Improvisation, Emotion. Es gibt kein Nachtanzen, sondern die Freiheit der Improvisation.
Es gilt keine Society Perfektion zu erreichen und keiner Erwartung entsprechen zu müssen.

Im Dialog mit dem Körper ergibt sich die Möglichkeit den ganz persönlichen Tanz entwickeln und die Impulse und Bewegungen in und aus sich selbst entdecken zu können. Quasi ein in sich Hineinhorchen und auf Entdeckungsreise gehen. Wer bin ich wirklich? Was und wo und wie finde ich mich? Was war ursprünglich, was ist mir übergestülpt worden und wie kann ich mein ursprüngliches Selbst mit dem Society Selbst in Einklang bringen, bzw. Unnötiges, Beengendes und Unechtes ablegen, mich davon befreien?

Dabei interessieren mich die Verformungen, die Seele, der Spirit dahinter, die andere, tabuisierte Ästhetik, die sich von der normativen gesellschaftlichen wesentlich unterscheidet. Ich will in meinem Tanz das ausdrücken, was sich dem, auf genormte Schönheit gedrillten Auge entzieht, was darunter im Argen ist. Und auch der Lust zum „Hässlichen“, Abnormen sowie gesellschaftlich tabuisierten Bewegungen frönen.

Die kulturell andere Spiritualität dahinter entdecken und das für mich nehmen.....

Butoh bedeutet für mich ein Ventil für meine Gefühle, Empathie und Eidetik sowie Ausdruckmöglichkeit.

Meine reichhaltigen Quellen sind: meine Biographie und meine Phantasie. Diese wird gespeist aus der Literatur, der Bildenden und darstellenden Kunst, weiters mein Studium der Kabbala in Israel und mehr und mehr die Natur, in der ich alles das wiederfinde. Ich habe viele Quellen, aus denen ich schöpfen kann.
Butoh ist DER Tanz, in dem ich mich selbst einbringen und etwas vermitteln kann. Der mit mir selbst zu tun hat. Ich verstehe mich als Story-Dancer – nicht jedoch im narrativen Sinn.

Ich bin zu Hause in der Welt der Märchen, Sagen und Mythen. Mich fasziniert das Thema der Verwandlung, im körperlichen, spirituellen wie im biologischen Sinne, die Fermentierung, die Patina. Auch das Reisen in der Zeit, das Zurückgehen zu den Anfängen urzeitlichen Lebens, dem Urschleim, als alles Leben begann, als sich aus dem Klang die Stimme und Sprache entwickelte.

Und gleichzeitig ist es immer auch eine körperliche Reise zum eigenen Selbst und eine Begegnung mit dem eigenen Selbst.

Und da jeder Mensch einzigartig und Butoh ein individueller, persönlicher Tanz ist, hat er viele Gesichter und Ausdrucksmöglichkeiten. Die unterschiedlichsten Zugänge und Images, die vermittelt werden, bringen die teilweise grotesk anmutenden Bewegungen hervor.

Butoh ist ein Tanz zwischen Innen und Außen, dem Bewussten und Unbewussten, dem Körper als leeres Gefäß oder Hülle, in der sich der Spirit materialisiert.

Aber das sind letztendlich alles theoretische Erklärungen. Butoh ist nur ein Wort, die Parole heißt: Dance, be danced, continue to dance. Vergiss alles und vor allem denke nicht! Nur Gefühl und Emotion. Sei authentisch, wahrhaftig und tanze voll Freude und Hingabe.